Gehörlosenverein Donautal-Heuberg Tuttlingen 1918 e.V.

 

 
 
  Chronik

       
      Chronik

      1. Teil: 1918 – 1948 (Ende 1. Weltkrieg – Weimarer Republik – 3. Reich – 2. Weltkrieg – Besatzung - Gründung Bundesrepublik Deutschland)

      Vereins-Gründung

      Der Vorsitzende des Landesverbandes der Taubstummen in Württemberg-Hohenzollern, Herr Paul Junghans aus Stuttgart, gründete am 17. August 1918 die Ortsgruppe Tuttlingen als fünften Taubstummen-Verein in Württemberg-Hohenzollern.

      Folgende Gehörlose aus dem Oberamt Tuttlingen waren schon zuvor Mitglieder im Ortsverein Stuttgart. Diese fünf sind Gründungsmitglieder des neuen Ortsbundes mit dem Namen „Taubstummenverein Tuttlingen“:

      - Wilhelm Baumann
      - Anna Reinauer (1. Vorsitzende)
      - Marie Glunz
      - Gottlieb Schlotterbeck
      - Martha Schultheiß, geb. Büning

      In den ersten 3 Jahren kamen 16 weitere Mitglieder hinzu. In den Anfängen waren Anna Reinauer und Gottlieb Schotterbeck besonders aktive und beliebte Vereinsmitglieder. Anna Reinauer betrieb eine eigene Wäscherei und Gottlieb Schlotterbeck war Malermeister.

      Beide prägten als Vorsitzende das Leben und die Entwicklung des Vereins. Gottlieb Schlotterbeck entstammte einer Tuttlinger Familie aus der Talstr. 10. Von fünf Kindern zur Zeit der Jahrhundertwende waren drei gehörlos: Gottlieb, Luise und Elisabeth

      Gottlieb besuchte die Gehörlosenschule in Nürtingen und machte danach eine Lehre als Chirurgie-Instrumentenmacher. Erst danach machte er eine Malerlehre, legte die Meisterprüfung ab und betrieb selbständig eine Malerwerkstatt. Elisabeth, eine hübsche, lebenslustige Frau, heiratete im Jahr 1936 den späteren Vorsitzenden Wilhelm Gastel aus Frommern bei Balingen. Leider starb Elisabeth am 11. Februar 1962 im blühenden Alter von 52 Jahren an Krebs.

      Im Dritten Reich

      Im dritten Reich wurden die verschiedenen (zum Teil konfessionellen) Taubstummen-Vereine von den Nationalsozialisten organisatorisch zusammengefasst im „Reichsbund der Gehörlosen Deutschland e.V.“ (Regede), Gauverband Württemberg, Ortsbund Tuttlingen. Das ermöglichte den leichteren Zugriff auf gehörlose Menschen, die „zur Erhaltung der Volksgesundheit und zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses“ zwangsweise sterilisiert wurden!

      Nachfolgend sind die ersten Vorsitzenden der Anfangsjahre abgebildet:

      2. Teil: 1949 – 1978 (Wiederaufbau Deutschland – Mauerbau – 69er – 60. Jubiläum)

      Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 führte der Verein den Namen:
      „Landesverband der Gehörlosen in Württemberg und Hohenzollern e.V., Sitz Stuttgart, Ortsbund Tuttlingen“

      Die regelmässigen Versammlungen

      Die regelmässigen Versammlungen des Vereins finden im Jahr fünf- bis siebenmal statt. Der Gehörlose ist viel unterwegs; er sucht Kontakt mit seinen Schicksalsgefährten. Besuche bei den Nachbarvereinen und bei ihren Versammlungen gehören dazu. Die Veranstaltungen ähneln deshalb geselligen Veranstaltungen. An erster Stelle steht da beim Gehörlosen Verein Tuttlingen die traditionelle Adventsfeier, die seit Jahrzehnten immer am zweiten Adventssonntag ist (seit 2008 am zweiten Adventssamstag!). Sie ist eine Feier zum Jahresabschluss mit feierlichem Gottesdienst, mit Weihnachtsgeschenken für Vereinsmitglieder und Nikolausbescherung für die Kinder. Zu diesem Fest kommen meist etwa hundert Besucher von Heidelberg bis Zürich und St. Gallen zusammen.

      Nachfolgend sind die nächsten ersten Vorsitzenden abgebildet:


      Am 6. Mai 1973 wurde das 55-jährige Jubiläum im blauen Träuble u.a. mit Landesverbands-Vorsitzenden Willi Laufer und Direktor Kuder aus Nürtingen gefeiert.

      Die ersten Ausflüge

      Der erste mehrtägige Ausflug führte die Mitglieder vom 29.06.- 01.07.1974 in die Schweiz (Bern – Interlaken – St. Gotthard – Vierwaldstättersee - Zürich).
      Vom 18.06. – 20.06.1976 wurde gemeinsam mit dem GV Rottweil ein Busausflug organisiert. Der Verein fuhr nach Chiemsee, Salzburg, Mondsee, St. Wolfgang, Schloss Neuschwanstein und zum Linderhof.
      Im Juni 1978 fuhr der Verein nach Lugano.

      60-jähriges Jubiläum

      Am 9. September 1978 feierte der Verein sein 60-jähriges Jubiläum. Es begann im Gasthaus Sommerau mit einem Kegelwettkampf, und im Donaustadion mit einem Fußballspiel zwischen den Gehörlosen-Sportclubs Stuttgart und Zürich. Stuttgart gewann mit 7:0 Toren. Die Ev. Stadtkirche wurde gerade umgebaut. Deshalb fand der ökumenische Festgottesdienst von Pfarrer Scheytt und Dekan Buhl im ev. Gemeindehaus statt. Der Festakt in der Festhalle Tuttlingen wurde mit großem Programm und mit über 300 Gästen gefeiert.

      3. Teil: 1979 – 1993 (Bundeskanzler-Ära Kohl - Mauerfall – Wiedervereinigung – 75. Jubiläum)

      In dieser Zeit prägte unser 1. Vorsitzender und spätere Ehrenvorsitzender Rudolf Leibinger maßgeblich den Verein. Stellvertretend für viele verdiente Mitglieder werden hier seine Ehrungen aufgeführt:
      01.03.1973 - Silberne Ehrennadel (25 Jahre Mitglied)
      08.12.1985 - Silberne Verdienstnadel (15 Jahre im Vorstand)
      01.03.1988 - Goldene Ehrennadel (40 Jahre Mitglied)
      24.04.1988 - Goldene Verdienstnadel (besondere Verdienste)
      01.04.1990 - Landesehrennadel (langjährige Vereinsführung)
      01.01.1992 - Ehren-Vorsitzender

      Nachfolgend sind die nächsten ersten Vorsitzenden abgebildet:

      Die nächsten Ausflüge

      Im Juni 1979 führte der Verein einen 2-tägigen Ausflug in das Elsass durch (Riquewehr, Hochkönigsburg, Straßburg).
      Im August 1981 fuhr der Verein erneut nach Lugano zusammen mit den Keglern.
      Im Juli 1983 war der Verein für 2 Tage in Österreich am Achensee.
      Im September 1985 ging es nach Nürnberg und Rothenburg ob der Tauber.
      Im Juni 1987 gab es gemeinsam mit dem GV Rottweil einen großen Ausflug nach Reims, Paris, Versailles und Straßburg.
      Im Mai 1989 waren wir für 5 Tage in London ebenfalls mit dem GV Rottweil.
      Im September 1989 gab es eine Floßfahrt auf der Isar in Wolfratshausen.
      Im Mai 1991 fuhren wir gemeinsam mit dem GV Rottweil für 4 Tage nach Prag.

      Das Jahr der Behinderten - 1981

      Das Jahr der Behinderten wurde zu einer großen Herausforderung für uns. Viele Behindertengruppen bauten in der Festhalle ihren Stand auf. Der Gehörlosenverein zeigte zum ersten Mal alle technischen Hilfsmittel, die der Gehörlose zur Bewältigung seiner Alltagsprobleme braucht. Ein ökumenischer Gottesdienst in der Art eines Gehörlosengottesdienstes mit Gebärden fand in der Stadtkirche statt. Die Kirche war überfüllt von einer großen Anzahl von Behinderten. Die Beteiligung am Gesundheitstag mit einem Informationsstand auf dem „Marktplatz in Tuttlingen“ (1988) und die Teilnahme am „Festival der Gesundheit“ (1991) waren für uns eine Selbstverständlichkeit.

      65-jähriges Jubiläum

      Zum 65-jährigen Bestehen des Vereins ist einem Bericht zu entnehmen: „Das Jubiläum wurde eingeleitet mit einem ökumenischen Gottesdienst, der von Dekan Buhl (Unterkirnach) und Pfarrer Scheytt in der Versöhnungskirche in Immendingen gehalten wurde. Das Fest nahm seinen Fortgang im Soldatenheim „Junge Donau“ in Immendingen. Der Vorsitzende Rudi Leibinger konnte die Glückwünsche einer großen Anzahl von Vorsitzenden anderer Vereine entgegennehmen.“
      Seiner Festansprache war die Freude über das Jubiläum und der Dank für viele helfende Hände der Gehörlosen selbst, aber auch mancher Hörenden zu entnehmen.

      Der Verein wird selbständig

      Am 30. August 1991 macht sich der Verein selbständig. Seit dem heißt der Verein „Gehörlosenverein Donautal-Heuberg Tuttlingen 1918 e.V.“. Hierzu wurde eine Satzung ausgearbeitet und dem Finanzamt Tuttlingen vorgelegt.

      Fahrt in die neue Bundeshauptstadt Berlin

      Im gleichen Jahr im September wurden wir nach Berlin eingeladen. In die neue Bundeshauptstadt Berlin lud unser Bundestagsabgebordneter der CDU, Volker Kauder (langjähriger Förderer des GV Tuttlingen) fünfzehn Gehörlose zu einer Informationsfahrt vom 16. bis 19.09.1991 ein. Die Vorträge (gedolmetscht von Pfarrer Scheytt) und Besichtigungen waren sehr lehrreich. Vor allem freut uns das die hörenden Teilnehmer und Veranstalter keine Probleme mit den Gehörlosen hatten.

      75-jähriges Jubiläum

      Am 19. Juni 1993 wurde groß das 75-jährige Jubiläum gefeiert. Hierzu wurde eine Festschrift herausgebracht.

      4. Teil: 1994 – 2007 (Ende Kohl-Ära – 11. September 2001 – Jahrtausendwende – Euro)

      Nachfolgend sind die nächsten ersten Vorsitzenden abgebildet:

      neuer Treffpunkt Auferstehungskirche

      Am 18. März 1995 wurde das neue Gemeindehaus der Auferstehungskirche in Tuttlingen eingeweiht. Dort konnten wir unseren neuen Treffpunkt für Infoabende sowie Seniorentreffen einweihen. Maßgeblich haben wir dies unserem langjährigem Pfarrer Joachim Scheytt zu verdanken.

      Die nächsten Ausflüge

      Vom 29.09. – 04.10.1995 fuhren wir nach Rom (Stadt- und Vatikanbesichtigung, Ostia (Mittelmeerhafen), Albaner Berge mit Castel Gandolfo (Sommersitz des Papstes), Weinort Frascati mit Weinprobe).
      Im Oktober 1997 fuhren wir für 4 Tage nach Dresden (Stadtbesichtigung, Elbsandsteingebirge, Bastei, Schifffahrt auf der Elbe, Porzellanmanufaktur Meißen).
      Im Mai 1999 ging es für 4 Tage in die Toskana (Viareggio, Florenz, Pisa, Siena, San Gimignano, Genua).
      Im Mai 2000 wurden wir erneut von MdB Kauder nach Berlin eingeladen.
      Im Mai 2001 fuhren wir für 4 Tage nach Wien (Stadtführung, Hofburg, Prater, Eisenstadt, Römersteinbruch Sankt Margarethen, Rust, Bootsfahrt auf Neusiedler See).
      Vom 29.05. – 01.06.2003 ging es nach Amsterdam.
      Im Mai 2005 fuhren wir für 4 Tage nach Prag.
      Im Mai 2007 gab es eine große Fahrt nach Polen (Bautzen, Breslau, Krakau, Salzbergwerk Wieliczka, Auschwitz, Warschau, Berlin). Auf dieser Fahrt trafen wir drei verschiedene Gehörlosenvereine in Polen. Diese Fahrt war eine Bildungsreise, so hatten wir auch eine Führung durch Auschwitz sowie einen Vortrag über Gehörlose im 3. Reich.

      23.02.1997 - Festakt

      Am 23.02.1997 gab es einen großen Festakt zur Verabschiedung des langjährigen Pfarrers Joachim Scheytt sowie der Einsetzung seines Nachfolgers Pfarrer Eckehard Hörster. Bei diesem Anlass wurde Pf. Scheytt die Karl-Wacker-Plakette überreicht. Die Karl-Wacker-Plakette ist die höchste Auszeichnung des Deutschen Gehörlosenbund.

      90-jähriges Jubiläum

      Am 6. Dezember 2008 feierte der Verein sein 90-jährige Jubiläum im Rahmen seiner jährlichen Weihnachtsfeier.


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